DIREKTSAAT


 
Warum? Vorteile Gesetze Paradigmen Nachhaltigkeit
Geschichtliche Entwicklung Fortschritte Wirtschaftlichkeit mechnisiert Wirtschaftlichkeit für Kleinlandwirte

 
 

  WARUM DIREKTSAAT?

95 Millionen Hektar unter Direktsaat weltweit sprechen für sich!
Seit 1987 ist die in Direktsaat bestellte Fläche in Lateinamerika um das
59- fache von 670.000 ha auf 40,6 millionen ha im Jahre 2004 gestiegen
gegen eine 5,6- fache Erhöhung in den USA.
 
Die wichtigsten Gründe, weshalb die Bauern auf dieses neue Anbausystem umstellen, sind:

  • Weniger Arbeit
  • Mehr Geld
  • Erosionsschutz, umweltfreundlich
  • Erhöhung der Lebensqualität

  •  
    "Das einzige was meine Lebensqualität in höherem Maße verbessert hat als die Direktsaat war die Elektrizität."
    Barbara Francis
    Ehefrau eines DS-Landwirtes aus Ohio
    Gesagt am 2/5/97 auf einem CTIC Meeting in Kansas City, Mo.

     

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        VORTEILE
     

    Vorteile einer Landwirtschaft mit hohen Mengen an Pflanzenrückständen an der Bodenoberfläche

    Konservierende Bodenbearbeitungssysteme und Direktsaat bieten zahlreiche Vorteile, die mit intensiver Bodenbearbeitung nicht erreicht werden können. Diese Vorteile wurden wie folgt zusammengefasst:
     
    1. Reduzierter Bedarf an Arbeitskräften
    2. Zeiteinsparungen
    3. Reduzierte Abnutzung der Maschinen
    4. Kraftstoffeinsparungen
    5. Dauerhafte Erhöhung der Produktivität
    6. Verbesserte Qualität des Oberflächenwassers
    7. Reduzierte Bodenerosion
    8. Erhöhte Bodenfeuchtigkeit
    9. Erhöhte Wasserinfiltration
    10. Reduzierte Bodenverdichtung
    11. Verbesserte Bodengare
    12. Mehr Wildleben
    13. Reduzierte Kohlenstoffemissionen
    14. Reduzierte Luftverschmutzung

     
    Quelle: ISTRO, 1997: International Soil Tillage Research Organization (ISTRO), INFO- EXTRA, Vol. 3 Nr. 1, Januar 1997.
     

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        GESETZE

    Die Gesetze der abnehmenden Ertragsfähigkeit tropischer Böden R. Derpsch und M. FlorentÍn

    Veröffentlicht in:
    Derpsch, R. und Florentín, M., 2000: Direktsaat: Nachhaltige Landwirtschaft
    durch Verzicht auf Bodenbearbeitung. Entwicklung und Ländlicher
    Raum, Heft 4, 2000

    In der Natur gibt es Gesetze, die eine abnehmende Ertragsfähigkeit der Böden bestimmen, und die im Ackerbau und in der Weidewirtschaft beachtet werden müssen. Diejenigen, die diese Gesetze außer Acht lassen, verursachen eine Degradation und einen Verlust der Ertragsfähigkeit der Böden. Es ist deshalb unabdingbar, diese Gesetze zu beachten, wenn man eine nachhaltige Agrarproduktion erreichen möchte.
     

    1. Jedes Anbausystem, welches ständig an den Humusvorräten des Bodens zehrt, ist nicht nachhaltig und hat die Verarmung des Bodens und der Menschen zur Folge.
    2. Die wiederholte und intensive Bodenbearbeitung führt im Ackerbau der Tropen und Subtropen zu einer schnellen Mineralisierung der organischen Substanz und zwar in Raten, die im allgemeinen höher sind als die Möglichkeit des Ersatzes. Dies führt im Laufe der Jahre zu abnehmenden Gehalten an organischer Substanz im Boden und zu einer abnehmenden Ertragsfähigkeit der Böden.
    3. Die wiederholte und intensive Bodenbearbeitung im Ackerbau führt aufgrund der Bloßlegung des Bodens und der Klimabedingungen der Tropen und Subtropen zu Wind- und/ oder Wassererosion und somit zu Bodenverlusten, die im allgemeinen höher sind als die natürliche Bodenregeneration. Dies führt im Laufe der Jahre zu einer abnehmenden Ertragsfähigkeit der Böden.
    4. Die intensive Bodenbearbeitung führt in den Tropen und Subtropen im allgemeinen zu einer Schädigung der Bodenstruktur, zu erhöhten Bodentemperaturen und zu einer reduzierten Bodenfeuchtigkeit. Dies wirkt sich negativ auf das Wurzelwachstum, auf die Bodenflora und -fauna sowie auf die bodenbiologischen Prozesse aus und hat im Laufe der Jahre eine abnehmende Ertragsfähigkeit der Böden zur Folge.
    5. Jedes Anbausystem, in dem wichtige Nährstoffreserven durch Ernten oder durch Bodenausbeute (Extraktion ohne Ersatz), durch Verflüchtigung (z.B. durch wiederholtes Brennen) und/oder durch Auswaschung (z.B. durch Brache ohne Pflanzenbewuchs) vorkommen, ist nicht nachhaltig und hat die Verarmung des Bodens und der Menschen zur Folge.


     

    Außerdem wird nach intensiver Bodenbearbeitung der Kohlenstoff des Bodens sehr schnell (als Kohlendioxyd) in die Atmosphäre freigegeben. Anstatt, daß der Kohlenstoff im Boden angereichert wird und dazu beiträgt, die Bodenfruchtbarkeit zu verbessern, entweicht er als Folge der Bodenbearbeitung gasförmig (als C02) in die Erdatmosphäre und trägt so zum Treibhauseffekt und zur globalen Erderwärmung bei.
     
    Schlußfolgerungen: Die unvermeidbaren nachteiligen Auswirkungen der intensiven und wiederholten Bodenbearbeitung in wärmeren Klimazonen auf organische Substanz, Erosion, Bodenstruktur, Bodentemperatur, Bodenfeuchtigkeit, Wasserinfiltration sowie Bodenflora, Bodenfauna und auf die bodenbiologischen Prozesse, haben eine chemische, physikalische und biologische Bodendegradierung zur Folge. Dies führt im Laufe der Jahre zu einer abnehmenden Ertragsfähigkeit und zu einem Verlust des Ertragspotentials der Böden sowie zu einer Verarmung der darauf wirtschaftenden Menschen.
     
    Als Konsequenz der Gesetze der abnehmenden Ertragsfähigkeit tropischer Böden kann eine nachhaltige Landwirtschaft nicht erreicht werden, so lange der Boden intensiv und wiederholt bearbeitet wird. Ein nachhaltiger Ackerbau kann auch nicht erreicht werden, so lange eine Bodenausbeute geschieht, bzw. die durch Auswaschung und Ernten entzogenen Nährstoffe nicht ersetzt werden oder Nährstoffreserven durch wiederholtes Brennen verflüchtigen.
     
    Um die Bodenfruchtbarkeit zu erhalten und zu verbessern und eine nachhaltige Landwirtschaft in den Tropen und Subtropen zu erzielen ist es erforderlich, die Bodenbearbeitung einzustellen und den Boden ganzjährig mit Pflanzenrückständen bedeckt zu halten. Gleichzeitig müssen dem System ausreichende Mengen an Pflanzenrückständen zugeführt werden (mehr als 6 t/ ha/ Jahr in semiariden Klimaten und mehr als 10 t/ ha/ Jahr in humiden Klimaten). Pflügen und intensive Bodenbearbeitung sind antagonistisch zu einer nachhaltigen Landbewirtschaftung in den Tropen und Subtropen! Es ist eine Illusion, eine nachhaltige Landwirtschaft erreichen zu wollen und gleichzeitig den Boden intensiv und wiederholt zu bearbeiten.
     
    Die Anwendung des Direktsaatsystems mit Fruchtfolge und Gründüngung ist das einzige bekannte Anbausystem in der extensiven Landwirtschaft, das einen wirklich nachhaltigen Ackerbau in den Tropen und Subtropen ermöglicht.
     
     

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      PARADIGMEN
     

    Paradigmawechsel im Ackerbau
    Rolf Derpsch

    Althergebrachte Bewirtschaftungsmethoden in der Landwirtschaft führen in den Tropen und Subtropen zu Bodendegradierung und Nachlassen der Ertragsfähigkeit der Böden. Dies hat Armut, Landflucht, Vermehrung von Slums und von sozialen Konflikten zur Folge. Will man den Bauern eine Überlebenschance auf dem Lande ermöglichen und soll eine nachhaltige Landnutzung erreicht werden, muß ein Umdenken erfolgen und es müssen neue Wege im Ackerbau gegangen werden. Im folgenden werden alte und neue Sichtweisen (Paradigmen) gegenübergestellt und die sich daraus ergebenden Konsequenzen analysiert.
    (Veröffentlicht auf Englisch in: ISTRO-INFO EXTRA, Vol. 4, 1999; Im Internet unter:
    http://www.soils.wisc.edu/istro)


     
    PARADIGMEN DER VERGANGENHEIT PARADIGMEN DER ZUKUNFT
    • Bodenbearbeitung muß sein
    • Vergraben der Pflanzenrückstände mit Bodenbearbeitungsgeräten
    • Nackter Boden über Wochen und Monate
    • Bodenerwärmung durch Sonneneinstrahlung
    • Brennen erlaubt
    • Bodenchemische Prozesse im Vordergrund
    • Pflanzenschutz vorzugsweise chemisch
    • Gründüngung und Fruchtfolge als Option
    • Bodenerosion ist eine unvermeidliche Begleiterscheinung des Ackerbaus
    • Direktsaat, keine Bodenbearbeitung
    • Pflanzenrückstände werden als Mulch an der Bodenoberfläche belassen
    • Ganzjährige Bedeckung des Bodens
    • Reduzierung der Bodentemperaturen
    • Brennen verboten
    • Bodenbiologische Prozesse im Vordergrund
    • Pflanzenschutz vorzugsweise biologisch
    • Gründüngung und Fruchtfolge als Muß
    • Bodenerosion ist nichts anderes als ein Symptom daür, daß ein für den Standort und das Ökosystem nicht angepaßtes Anbausystem zur Anwendung gekommen ist

     
    KONSEQUENZEN DER BODENBEARBEITUNG
    BZW. DES NACKTEN BODENS
    KONSEQUENZEN DES DIREKTSAATSYSTEMS BZW. DER PERMANENTEN BODENBEDECKUNG
    1. Wind- und Wassererosion treten auf
    2. Geringe Wasserinfiltration in den Boden
    3. Geringe Bodenfeuchtigkeit
    4. Unvermeintlicher Abbau der organischen Substanz im Boden
    5. C entweicht als Kohlendioxyd in die Atmosphäre (Treibhauseffekt = globale Erderwärmung)
    6. Bodendegradierung (chemisch, physikalisch, biologisch)
    7. Rückgang der Produktivität der Kulturen
    8. Höhere Düngeranwendung und höhere Produktionskosten
    9. Langfristig kein Überleben auf dem Lande (Geringe Erträge, keine Rentabilität, Verdienstausfall
    10. Armut, Landflucht, Vermehrung der Slums und der sozialen Konflikte
    1. Wind- und Wassererosion werden gestoppt
    2. Erhöte Wasserinfliltration in den Boden
    3. Höhere Bodenfeuchtigkeit
    4. Aufbau oder Erhalt der organischen Substanz im Boden (Erhöhung der Bodenqualität)
    5. Der Boden wirkt als C- Senke (Verbesserung der Bodenqualität; dem Treibhauseffekt wird entgegengewirkt
    6. Bodenverbesserung (chemisch, physikalisch, biologisch)
    7. Erhöhung der Produktivität der Kulturen
    8. Geringere Düngeranwendung und geringere Produktionskosten
    9. Langfristige Verdienstmöglichkeiten der Bauern auf dem Lande durch gute Rentabilität und nachhaltige Bewirtschaftung des Ackers
    10. Befriedigung der Grundbedürfnisse, Erhöhung des Lebensstandards und der Lebensqualität der Bauernfamilie

     
    EXTERNE AUSWIRKUNGEN DER BODENEROSION EXTERNE AUSWIRKUNGEN DES ANBAUSYSTEMS
    • Sedimentation von Flüssen, Stauseen und Seen
    • Reduzierte Wasserqualität
    • Probleme für Wasserkraftwerke
    • Sedimentation von Straßen
    • Hohe Kosten für den Staat und für die Gesellschaft durch externe Auswirkungen der Bodenerosion
    • Verringerung der Sedimentation von Flüssen, Stauseen und Seen
    • Verbesserte Wasserqualität
    • Keine Probleme für Wasserkraftwerke
    • Keine Sedimentation von Straßen
    • Geringere Kosten für den Staat und für die Gesellschaft, da die externen Kosten der Bodenerosion ausfallen bzw. reduziert werden
    FAZIT: FAZIT:
    Nachhaltige Bodennutzung nicht möglich (weder ökologisch, sozial noch wirtschaftlich)
    Bodenausbeutung
    Nachhaltige Bodennutzung gesichert (ökologisch, sozial und wirtschaftlich)
    Standortgerechte Bodennutzung

     

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      NACHHALTIGKEIT
     

    Pflanzliche Produktion
    Direktsaat: Nachhaltige Landwirtschaft unter Verzicht auf Bodenbearbeitung

    Rolf Derpsch, Teamleiter
    GTZ- Projekt "Bodenkonservierende Landnutzungssysteme"
    Casilla de Correo 1859, Asunción, Paraguay
    E- mail: rderpsch@quanta.com.py
     
    Miguel Florentín
    Ministerio de Agricultura y Ganadería (MAG)
    Dirección de Investigación Agrícola (DIA)
    Campo Experimental de Choré, Choré, Paraguay
    E- mail: gtzsuelo@quanta.com.py

    War die Einführung des modernen Wendepfluges in die Tropen und Subtropen ein historischer Fehler? Ist die Bodenbearbeitung in wärmeren Regionen noch zeitgemäß? 28 Jahre nach Einführung der Direktsaat in Südamerika und 38 Jahre nachdem der erste Landwirt in den USA das Verfahren einführte, zeigen Versuchsergebnisse und praktische Erfahrungen, dass die Bodenbearbeitung eher schädlich als nützlich ist.

    Direktsaat ist ein integrierter Ansatz für das nachhaltige Management von Land und Bodenressourcen, wobei auf die Bodenbearbeitung ganz verzichtet wird und eine permanente Mulchschicht den Boden schützt. Das Verfahren ist im englischen Sprachraum unter no- tillage, zero- tillage, oder direct drilling bekannt. Im französischen Sprachraum wird es agriculture de couverture du sol genannt. Die französische Bezeichnung ist treffender, da das Wichtigste am System die permanente Bodenbedeckung mit Pflanzenresten und/ oder mit wachsenden Pflanzen ist. Hiermit soll deutlich gemacht werden, dass es sich um ein System handelt, welches den Einsatz von Gründüngung und Fruchtfolgen erfordert. Das bedeutet, dass das Weglassen der Bodenbearbeitung noch lange keine Direktsaat ausmacht. Wenn im Folgenden von Direktsaat gesprochen wird, dann ist das Direktsaatsystem gemeint, in dem auf die Bodenbearbeitung grundsätzlich verzichtet wird und eine Mulchschicht den Boden ständig bedeckt.
     
    Das Problem des tropischen Ackerbaus
    Das Kernproblem des herkömmlichen Ackerbaus mit intensiver Bodenbearbeitung in den Tropen und Subtropen ist die mit der Dauer der Nutzung verbundene abnehmende Ertragsfähigkeit der Böden.
     
    Sinken die Erträge unterhalb der Wirtschaftlichkeitsgrenze, verlassen ihre Bauern ihre Felder. Ist es nicht möglich auf Ersatzflächen auszuweichen, entsteht Landflucht. Die Ursachen für die abnehmende Ertragsfähigkeit der Böden bei Anwendung des herkömmlichen Ackerbaus mit intensiver Bodenbearbeitung sind insbesondere das Auftreten von Erosion und der schnelle Abbau der organischen Substanz. Fortschritte in der Anbautechnik, Pflanzenzüchtung, Düngung und Pflanzenschutz können zwar vorübergehend über diese Tatsache hinwegtäuschen, die Tendenz ist jedoch klar festzustellen und wird durch eine FAO- Studie untermauert (Kelly, 1983). Demnach ist bereits in dem kurzem Zeitraum zwischen den Jahren 1980 und 2000 mit einem Verlust des Ertragspotentials der Kulturen von 15 Prozent in Afrika, von 19 Prozent in Südostasien und von 41 Prozent in Südwestasien zu rechnen. (siehe dazu auch Grafik 1 und Kasten).


     

    Die Gesetze der abnehmenden Ertragsfähigkeit tropischer Böden
     

    1. Jedes Anbausystem, welches ständig an den Humusvorräten des Bodens zehrt, ist nicht nachhaltig und hat die Verarmung des Bodens und der Menschen zur Folge.
    2. Die wiederholte und intensive Bodenbearbeitung führt im Ackerbau der Tropen und Subtropen zu einer schnellen Mineralisierung der organischen Substanz und zwar in Raten, die im allgemeinen höher sind als die Möglichkeit des Ersatzes. Dies führt im Laufe der Jahre zu abnehmenden Gehalten an organischer Substanz im Boden und zu einer abnehmenden Ertragsfähigkeit der Böden.
    3. Die wiederholte und intensive Bodenbearbeitung im Ackerbau führt aufgrund der Bloßlegung des Bodens und der Klimabedingungen der Tropen und Subtropen zu Wind- und/ oder Wassererosion und somit zu Bodenverlusten, die im allgemeinen höher sind als die natürliche Bodenregeneration. Dies führt im Laufe der Jahre zu einer abnehmenden Ertragsfähigkeit der Böden.
    4. Die intensive Bodenbearbeitung führt in den Tropen und Subtropen im allgemeinen zur einer Schädigung der Bodenstruktur, zu erhöhten Bodentemperaturen und zu einer reduzierten Bodenfeuchtigkeit. Dies wirkt sich negativ auf das Wurzelwachstum, auf die Bodenflora und -fauna sowie auf die bodenbiologischen Prozesse aus und hat im Laufe der Jahre eine abnehmende Ertragsfähigkeit der Böden zur Folge.
    5. Jedes Anbausystem, in dem wichtige Nährstoffreserven durch Ernten oder durch Bodenausbeute (Extraktion ohne Ersatz), durch Verflüchtigung (z.B. durch wiederholtes Brennen) und/ oder durch Auswaschung (z.B. durch Brache ohne Pflanzenbewuchs) vorkommen, ist nicht nachhaltig und hat die Verarmung des Bodens und der Menschen zur Folge.

     

    Auswirkungen der Direktsaat auf die Bodeneigenschaften
    Wissenschaftliche Untersuchungen aus den Tropen und Subtropen zeigen, dass sich die Direktsaat, im Vergleich zur konventionellen Bodenbearbeitung mit dem Pflug positiv auf die chemischen, physikalischen und biologischen Bodeneigenschaften, also auf die Bodenfruchtbarkeit auswirkt. Zum einen, weil die Bodenverluste durch Erosion fast ausgeschaltet werden, zum anderen, weil die Gehalte an organischer Substanz im Boden nicht nur erhalten, sondern sogar erhöht werden, und weil keine Schädigung der Bodenstruktur oder der bodenbiologischen Prozesse stattfindet.

    Auswirkungen auf chemische Bodeneigenschaften. Die Direktsaat wirkt sich im Vergleich zur konventionellen Bodenbearbeitung positiv auf die wichtigsten chemischen Eigenschaften des Bodens aus. Unter Direktsaat werden im Oberboden im allgemeinen höhere Werte an organischer Substanz, Stickstoff, Phosphor, Kali, Kalzium, Magnesium, höhere pH- Werte als auch eine höhere Kationenaustauschkapazität, dagegen geringere Al- Werte, gemessen (Lal, 1976; Sidiras und Pavan, 1985; GTZ, 1988; Crovetto, 1992).

    Auswirkungen auf physikalische Bodeneigenschaften. Unter Direktsaat werden im Vergleich zur konventionellen Bearbeitung höhere Infiltrationsraten gemessen (Roth, 1985), was zu einer drastischen Reduzierung der Wassererosion führt (Harrold und Edwards, 1972). Direktsaat mit mehr als 60 Prozent Bodenbedeckung schützt den Boden auch wirksam gegen Winderosion. Unter der Mulchdecke wird eine höhere Bodenfeuchtigkeit, eine reduzierte Bodentemperatur und eine höhere Aggregatstabilität gemessen (Sidiras und Pavan, 1986). Obwohl bei Direktsaat eine höhere Bodendichte gemessen wird, werden im allgemeinen aufgrund der Erhöhung der Bodenfruchtbarkeit in Argentinien, Brasilien und Paraguay höhere Erträge in diesem System gegenüber dem konventionellen Ackerbau erzielt.

    Auswirkungen auf biologische Bodeneigenschaften.
    Da keine Bodenbearbeitungsgeräte den Bau und die Gänge der Kleintiere zerstören oder diese der direkten Sonneneinstrahlung und hohen Temperaturen ausgesetzt werden, wird eine höhere biologische Aktivität unter Direktsaat gemessen. Hinzu kommt, dass die Mikrolebewesen unter Direktsaat ausreichend organische Substanz an der Oberfläche für ihre Ernährung finden. Weiterhin wirken sich die günstigeren Feuchtigkeits- und Temperaturverhältnisse positiv auf das Bodenleben aus. Es werden deshalb unter Direktsaat im Oberboden mehr Regenwürmer, mehr Artrhopoden (Acarina, Collembolen, Insekten), mehr Rhizobien, Bakterien und Aktinomyceten, aber auch Pilze und Mycorrhyza festgestellt (Voss und Sidiras, 1985).

    Pflanzengesundheitliche Aspekte.
    Einige Pflanzenkrankheiten nehmen in Direktsaat zu. Deshalb darf Direktsaat nie als Monokultur betrieben werden. Eine ausgewogene Fruchtfolge reicht im allgemeinen aus, um den erhöhten Krankheitsbefall in Direktsaat zu neutralisieren. In Bezug auf Schädlinge kann sich die Direktsaat sowohl positiv als auch negativ auswirken. Dies hängt vom spezifischen Schädling ab sowie von den klimatischen Bedingungen der einzelnen Jahre. Im allgemeinen nimmt die Vielfalt der Insekten, Milben, usw. zu, da sie in der Mulchschicht bessere Bedingungen zur Vermehrung finden. Dies hat den Vorteil, dass sich viele Nützlinge entwickeln, so dass oft der Einsatz an Schädlingsbekämpfungsmitteln reduziert werden kann. Das Direktsaatsystem potenziert die biologische Schäädlingsbekämpfung (Kliewer und Candia, 1998).

    Ökologische Aspekte.
    Eine intensive Bodenbearbeitung beschleunigt die Mineralisierung der organischen Substanz und verwandelt Pflanzenrückstände in Kohlendioxid. Das Kohlendioxid wird in die Atmosphäre freigegeben und trägt so zum Treibhauseffekt und zur globalen Erderwärmung bei. Während fossile Brennstoffe die wichtigsten Erzeuger von Kohlendioxid sind, wurde errechnet, dass die konservierende Bodenbearbeitung (> 30% Pflanzenrückstände an der Oberfläche nach der Saat) bis zu 16 Prozent der weltweiten Emissionen durch fossile Brennstoffe ausgleichen könnte (Kern und Johnson, 1993).

    Die Wasserqualität wird durch Direktsaat verbessert. Während das abfließende Wasser aus konventionell bearbeiteten Wassereinzugsgebieten eine braune Farbe hat und viel Bodensedimente mit sich trägt, kann aus Wassereinzugsgebieten in Brasilien, die im Direktsaatsystem bestellt werden, beobachtet werden, dass das abfließende Wasser auch nach starken Niederschlägen relativ klar ist. Weiterhin ist die Belastung des Grundwassers durch Nitratauswaschung deutlich geringer (DLG, 1995)

    Herbizide: Obwohl chemische Pflanzenschutzmittel verwendet werden, um Unkräuter abzutöten, kann eine höhere biologische Aktivität im Direktsaatsystem beobachtet werden (GTZ,1988). Dies ist ein Indikator für einen gesünderen Boden. Die Befürchtung, es sei ein höherer Herbizideinsatz erforderlich, hat sich in der Praxis nicht bestätigt und die erfahrenen Bauern berichten von einer Reduzierung von etwa 20 Prozent gegenüber dem herkömmlichen Verfahren. Neuere Untersuchungen zeigen, dass im Direktsaatsystem bei gezielter Anwendung von Gründüngung und Fruchtfolge auf Herbizide über einen Zeitraum von ein bis zwei Jahren völlig verzichtet werden kann.

    Neben den bereits erwähnten positiven Aspekten der Direktsaat weist dieses System auch arbeitswirtschaftliche Vorteile für den Bauern auf, da die zeit- und energieaufwendige Bodenbearbeitung entfällt. Es sind weniger PS je Hektar erforderlich und die Schlepper haben eine höhere Lebensdauer. Schließlich zeigen ökonomische Untersuchungen, dass das System wirtschaftlicher ist und deshalb vom Bauern gerne angenommen wird (GTZ, 1988).

    Management: Das Direktsaatsystem stellt höhere Anforderungen an die Managementfähigkeiten und auch an das Verständnis des gesamten Systems von Seiten der Bauern. Mangelnde Kenntnisse sind das größte Hindernis für eine schnelle Verbreitung des Systems.

    Entwicklung und Verbreitung der Direktsaat
     

    Die größte Verbreitung hat die Direktsaat mit 19,8 Millionen Hektar in den USA erfahren. Brasilien rangiert mit 12 Millionen Hektar an zweiter, Australien mit 8,6 Millionen Hektar an dritter und Argentinien mit 8 Millionen Hektar an vierter Stelle. Danach folgen Kanada mit 4,1 Millionen Hektar und Paraguay mit 800.000 Hektar. Die ersten Versuche mit Direktsaat in Lateinamerika wurden durch ein Projekt der Deutschen Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit (GTZ) in Zusammenarbeit mit einem nationalen Forschungsinstitut 1971 gestartet (Derpsch, 1998). Weltweit werden etwa 55 Millionen Hektar im Direktsaatsystem angebaut. Davon entfallen rund 82 Prozent auf Amerika (Nord und Süd), 16 Prozent auf Australien und weniger als 2 Prozent auf Europa, Asien und Afrika zusammen. Trotz langjähriger positiver Forschungsergebnisse, hat das Direktsaatsystem in diesen drei Kontinenten, nur eine geringfügige Verbreitung gefunden. Im Jahre 1998 erstellte die GTZ eine Studie, um das Potential der Einführung der Direktsaat in Afrika zu untersuchen (GTZ, 1998). Obwohl klimatische und/ oder sozioökonomische Bedingungen die Einführung in manchen Regionen Afrikas schwierig gestalten, bieten einige Ökoregionen ein gutes Potential für die Anwendung der Direktsaat als nachhaltiges Anbausystem. Prozentual zur Gesamtanbaufläche mit einjährigen Kulturen verzeichnet Paraguay mit 52 Prozent weltweit die höchste Anwendungsrate der Direktsaat, gefolgt von Argentinien mit 32 Prozent, Brasilien mit rund 21 Prozent und den USA mit nur 16,3 Prozent.

    Schlussbemerkungen
     

    Der Pflug kann heute ohne Zweifel als das wichtigste Instrument angesehen werden, das zur Zerstörung von Millionen Hektar fruchtbaren tropischen und subtropischen Bodens beigetragen hat. Es ist an der Zeit, dass wir ihn von dem hohem Sockel herunterholen, auf dem er sich in unserem Kulturverständnis befindet.

    Die verstärkte Anwendung der Direktsaat bietet sich als Alternative zur derzeit praktizierten Landwirtschaft an. Die langfristigen Gewinne einer weitreichenden Umkehr zur Direktsaat könnten größer sein als jede andere Innovation in der Landwirtschaft in den Entwicklungsländern (Warren, 1983).

    Es wäre angebracht, wenn unsere politischen Entscheidungsträger auch zu dieser Erkenntnis kämen und sich mehr für die Erforschung, Entwicklung und Verbreitung des Systems in der Dritten Welt einsetzen würden, um so endlich die ersehnte, aber selten erreichte, nachhaltige Landbewirtschaftung in die Praxis umzusetzen.

    Abstract

     
    Veröffentlicht in: Entwicklung + Ländlicher Raum, Heft 4, 2000

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      GESCHICHTLICHE ENTWICKLUNG
     
    Verfügbar nur auf Englisch:
    Siehe "Derpsch, R., 1998:
    Historical review of no- tillage cultivation of crops, Proceedings, The 1st JIRCAS Seminar on Soybean Research. No- tillage Cultivation and Future Research Needs, March 5- 6, 1998, Iguassu Falls, Brazil, JIRCAS Working Report No. 13, p 1 - 18, 1998."
     

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      FORTSCHRITTE

    Fruchtfogen und Zwischenfrüchte entscheiden über den Erfolg

    Die Direktsaatfläche in Südamerika wächst

    Veröffentlicht in:
    Landwirtschaft ohne Pflug, Verlag Emmingr & Partner GmbH, Am Borsingturm 40, D- 13507 Berlin, Dezember 1999, 13- 15

    Rolf Derpsch, Mitarbeiter der GTZ in Paraguay, berichtete auf der 10. Konferenz der ISCO (International Soil Conservation Organisation) im Mai 1999 in West Lafayette (USA) über seine Erfahrungen mit Direktsaat in Südamerika. Vieles von seinen Erfahrungen ist auch für mitteleuropäische Verhältnisse interessant.

    Einführung
    Allgemeine Lage der Direktsaat in der Welt

    Schwierigkeiten und Einschränkungen bei der Einführung der Direktsaat in Südamerika und wie sie überwunden worden sind 

    Wichtigste Erfordernisse im Zusammenhang mit der Verwendung und Anpassung der Technologie in der Zukunft sowie Systemeinschränkungen

    Ausblick
    Zusammenfassung
    Literatur
     
     
     
     

    Einführung
    Mit Ausnahme der USA wird in kaum einem Land die in Direktsaat oder in konservierender Bodenbearbeitung bestellte Fläche statistisch erfaßt. Deshalb gibt es keine genauen Zahlenüber die weltweite Verbreitung dieser Verfahren. Eine Schätzung der in Direktsaat bestellten Flächen wird in Tab. 1 aufgeführt.

    Allgemeine Lage der Direktsaat in der Welt
     

    Tabelle 1: Direktsaatfläche, nach Ländern gegliedert (Schätzungen nach Vererschiedene Quellen)
     
     

    LAND

    2000/ 2001

    U.S.A.

    21.120.000 1)

    Brasilien 

    13.470.000 2)

    Argentinien

    9.250.000 3)

    Australien

    8.640.000 4)

    Kanada 

    4.080.000 5)

    Paraguay 

    960.000 6)

    Mexiko 

    650.000 7)

    Bolivien 

    350.000 8)

    Venezuela

    150.000 9)

    Chile

    100.000 10)

    Kolumbien

    70.000 11)

    Uruguay

    50.00012)

    Andere

    1.000.00013)

    Gesamt

    59.890.000 ..

    Quelle: 1) Dan Towery, CTIC, 2001; 2) FEBRAPDP, 2000; 3) AAPRESID, 2000; 4) Bill Crabtree, WANTFA; 5) Hebblethwaite, CTIC, 1997; 6) MAG - GTZ Soil Conservation Project, 1999; 7) Ramón Claverán, CENAPROS, 1999; 8) Carlito Los, 2000; 9)Carlos Bravo, 2000; 10) Carlos Crovetto, 1999; 11) Roberto Tisnes, Armenia, 1999; 12) AUSID, 1999; 13) Schätzungen.

    Obwohl Direktsaat die größte Flächenausdehnung in den USA erfahren hat, wird dort diese Technologie nur auf 16,3% des Ackerlandes angewandt. Demgegenüber wird Direktsaat aber auf 21% der Ackerfläche in Brasilien, 32% in Argentinien und 52% in Paraguay durchgeführt. Paraguay ist damit in diesem Bereich weltweit führend.

    Während Direktsaatverfahren in den USA schon seit den vierziger Jahren und in Europa seit den sechziger Jahren erprobt wurden, begannen erste Versuche in Lateinamerika erst 1971. Aufgrund ihrer Vorteile gewann die Direktsaat besonders in Südbrasilien schnell an Bedeutung. In den MERCOSUR- Ländern (Brasilien, Argentinien, Uruguay, Paraguay) ist die Direktsaatfläche zwischen 1987 und 1997 um das zwanzigfache gewachsen. Dafür gibt es folgende Gründe:

    1. Wirksame und wirtschaftliche Kontrolle der Bodenerosion unter klimatischen Bedingungen, welche die Erosion und Degradation der Böden fördern.

    2. Geeignete regionale Kenntnisse über Direktsaat standen den Landwirten durch Forschung und Entwicklung, aber auch durch praktische Erfahrungen zur Verfügung.

    3. Weitverbreiteter Einsatz von Zwischenfrüchten zur Unkrautunterdrückung (Einsparung von Herbiziden), Anreicherung des Bodens mit organischer Substanz, biologische Schädlingsbekämpfung, usw.

    4. Einheitliche Beratungsinhalte (Direktsaat befürwortend) sind vom staatlichen sowie privatem Sektor an die Landwirte herangetragen worden.

    5. Im Gegensatz zu den USA und anderen Ländern wurde die Direktsaat den Landwirten als einzige Methode der konservierenden Bodenbearbeitung empfohlen.

    6. Es fand eine "Farmer zu Farmer" Beratung und eine intensive Unterstützung dieser Verfahren durch bäuerliche Selbsthilfegruppen statt.

    7. Den Landwirten und Beratern wurden Veröffentlichungen mit praktikablen und nützlichen Informationen über die Direktsaat aus der Region zur Verfügung gestellt.

    8. Es wurden wirtschaftliche Untersuchungen mit Systemansatz erstellt, die eine hohe Wirtschaftlichkeit des Direktsaatsystems mit Zwischenfruchtanbau und Fruchtfolge nachgewiesen haben.

    9. Es werden sofort beträchtlich höhere Gewinne erwirtschaftet.
    10. Die Kräfte und Widerstände gegen dieses System waren kaum vorhanden.

    11. Da es in Lateinamerika im allgemeinen keine Subventionen für die Landwirtschaft gibt, ist eine wettbewerbsfähige Produktion zu Weltmarktpreisen erforderlich.

    Schwierigkeiten und Einschränkungen bei der Einführung der Direktsaat in Südamerika und wie sie überwunden worden sind 

    Geeignete Maschinen
    Hohe Einfuhrzölle erschwerten die Einfuhr von landwirtschaftlichen Geräten nach Brasilien. Erst 1975 wurden die ersten Direktsaatmaschinen (Fräsrillengerät von Howard- Rotacaster) in Brasilien gebaut, brachten aber eine zu geringe Flächenleistung. Besser bewährt haben sich die seit 1976 eingeführten Dreischeibensysteme. Noch später begann die Entwicklung von Direktsaattechnik in anderen Staaten Lateinamerikas (Argentinien, Mexiko). Inzwischen gibt es in Brasilien etwa 15 und in Argentinien 30 Anbieter von Direktsaatmaschinen.

    Für kleine und mittlere Betriebe werden in Südamerika Universalmaschinen empfohlen, die sowohl Getreide und Gründüngungspflanzen als auch Reihenkulturen (Soja, Mais, Sorghum) aussäen. Dadurch wird kapitalschwachen Betrieben der Kauf zweier Maschinen erspart.

    Geeignete Herbizide
    Ein Problem war, daß die Beratung zum Herbizideinsatz bis Anfang der achtziger Jahre im wesentlichen über die Hersteller erfolgte, und daß die große Anzahl von Produkten, die sich auf dem Markt befand, eine Auswahl erschwerte. Zwei regelmäßig aktualisierte Publikationen (Rodrigues und Almeida, 1998; Lorenzi, 1994) helfen dem Landwirt seit den frühen achtziger Jahren, firmenunabhängig die geeigneten Mittel aus dem wachsenden Angebot zu finden. Diese Veröffentlichungen enthalten eine Marktübersicht aller vorhandenen Mittel, deren chemische und toxikologische Eigenschaften, die empfohlene Dosierung sowie deren Wirksamkeit gegen die einzelnen Unkrautarten. Die Publikation von Lorenzi enthält Abbildungen der wichtigsten Unkräuter in unterschiedlichen Entwicklungsstadien mit Angaben, welche Herbizide die einzelnen Unkräuter am wirksamsten abtöten.
    Beratungsbedarf besteht auch bei der Ausbringung der Herbizide und der richtigen Einstellung der Spritzen. Günstig für die Wirksamkeit der Mittel hat sich vor allem die Verminderung der Spritzbrühemenge (weniger als 100 l/ ha) und die Herabsetzung des pH- Wertes vom Wasser (bis pH 3,5) erwiesen. Die Wirksamkeit der Herbizide wird durch eine Ausbringung bei Temperaturen unter 30°C und hoher relativer Luftfeuchte in den Morgen- und Abendstunden entscheidend erhöht.

    Mentale Veränderungen
    Wenn die Landwirte nicht radikal umdenken und sich eine neue Denkweise aneignen, ist eine erfolgreiche Umsetzung des Direktsaatsystems nicht möglich. Dies gilt nicht nur für den Landwirt, sondern in besonderem Maße auch für Techniker, Berater und Wissenschaftler.

    Wissen

    Herbizide

    Unkräuter

    Technologie zur Anwendung von Herbiziden

    Böden
    Viele tropische Böden sind sauer oder enthalten toxisches Aluminium, so daß ein Aufkalken erforderlich ist. Der Kalk muß dabei nicht in den Boden eingearbeitet werden, sondern wird durch die Niederschläge in den Boden eingewaschen. Es ist besser, jedes Jahr geringe Kalkmengen anstelle großer Mengen in einer Gabe auszubringen.

    Wie Erfahrungen aus Brasilien und Paraguay zeigen, reichen bei der Inkulturnahme von natürlichem Grünland (saure Böden mit toxischem Al) relativ geringe Kalkmengen aus, die oberflächig auf das mit Herbiziden abgespritzte Gras ausgebracht werden. Bereits im ersten Jahr konnten so bei einer mittleren mineralischen Düngung hohe Sojaerträge von 30 dt/ ha erzielt werden. Entscheidend scheint dabei zu sein, daß der hohe Humusgehalt dieser Böden nur bei Direktsaat erhalten bleibt.

    Bodenkrusten:Bodenkrusten sind kein Problem bei Direktsaat, sondern treten eher bei konventioneller Bodenbearbeitung auf. Schlecht drainierte Böden sind für die Direktsaat ungeeignet, die tropischen Böden Südamerikas sind jedoch meist gut durchlässig.

    Nur auf einer ebenen Bodenoberfläche können Direktsaatmaschinen eine zufriedenstellende Arbeit leisten. Bei konventioneller Bodenbearbeitung entstehen Fahrspuren, Erosionsrillen und andere Unebenheiten, so daß beim Übergang zur Direktsaat als erstes die Oberfläche eingeebnet werden muß. Auf bisher konventionell bewirtschafteten Flächen müssen oft auch Pflugsohlenverdichtungen mit geeigneten Lockerungswerkzeugen beseitigt werden.

    Verhärtete Bodenoberfläche
    Problematisch ist eine verhärtete Bodenoberfläche, weil diese das Eindringen der Schneidscheiben erschwert. Hilfreich ist dabei eine ständige Bodenbedeckung mit Gründüngungspflanzen und Ernterückständen. Die erhöhte bodenbiologische Aktivität fördert eine Selbstauflockerung z.B. durch Regenwürmer. Die Mulchdecke erhält außerdem die Bodenfeuchtigkeit, wodurch das Eindringen der Werkzeuge erleichtert wird.

    Mulchdecke
    Eine permanente Bedeckung des Bodens mit einer Mulchschicht ist entscheidend für den Erfolg der Direktsaat. Man strebt an, dem Boden mindestens 6 t, besser jedoch mehr als 10 t organische Trockensubstanz pro Hektar und Jahr aus Ernterückständen und Gründüngungspflanzen als Mulchdecke zuzuführen. Dies unterdrückt Unkräuter, erhält die Bodenfeuchtigkeit und verbessert die biologische, chemische und physikalische Bodenfruchtbarkeit. Wichtig ist eine gleichmäßige Verteilung der organischen Reststoffe. Hier sind bei den Erntemaschinen noch große Mängel festzustellen.

    Wichtigste Erfordernisse im Zusammenhang mit der Verwendung und Anpassung der Technologie in der Zukunft sowie Systemeinschränkungen

    Fruchtfolgen und Zwischenfrüchte
    Eine angepaßte Fruchtfolge und die Einsaat von Zwischenfrüchten zur Gründüngung sind wesentliche Elemente für den Erfolg der Direktsaat in Lateinamerika. Wenn Monokulturen oder nur aus zwei Fruchtarten bestehende Folgen praktiziert werden, ist Direktsaat ein ungeeignetes System, da ein verstärktes Auftreten von Krankheiten und Problemunkräutern die ökonomischen Vorteile in Frage stellt (siehe Tab. 2).

    Tabelle 2: Anzahl der Unkräuter pro m² in Abhängigkeit von der Bodenbearbeitung und Fruchtfolge, Rio Grande do Sul, Südbrasilien (Gazziero, 1998, nach Ruedell, 1990)
     
     

    Auftreten von Unkräutern

    Mit Fruchtfolge

    DS                   KB

    Ohne Fruchtfolge

    DS                   KB

    Breitblättrige Unkräuter in Weizen

    36

    24

    102

    167

    Ungräser in Weizen

    17

    30

    41

    44

    Breitblättrige Unkräuter in Sojabohnen

    4

    20

    15

    71

    DS = Direktsaat, KB = Konventionelle Bodenbearbeitung tillage 

    Erfahrene Direktsaatfarmer in Lateinamerika gestalten ihre Fruchtfolge unabhängig von der aktuellen Preissituation und bauen Zwischenfrüchte in die Fruchtfolge ein, weil dies trotz entstehender Mehrkosten bei Direktsaat ökonomische Vorteile bringt.

    So zeigten Untersuchungen aus Paraguay, daß die Herbizidkosten nach der Zwischenfrucht Crotalaria juncea (eine Leguminosenart, 52 Tage Wachstumszeit) bei 36,62 US$/ ha, nach Sonnenblumen als Gründüngung (57 Tage Wachstumszeit) bei 37,39 US$/ ha und nach Monokultur ohne Zwischenfrüchte bei 107,66 US$/ ha lagen. Nach Schwarzhafer als Zwischenfrucht (ohne Herbizideinsatz) wurden 96 Tage nach der Saat 93 kg/ ha Unkrauttrockenmasse und bei Brache 7.390 kg gemessen. Sojabohnen ohne Herbizideinsatz brachten nach Schwarzhafer als Zwischenfrucht 26 dt/ ha, während es nach Brache nur 7,8 dt/ ha waren. In einer anderen Untersuchung stieg der Sojabohnenertrag nach Schwarzhafer als Zwischenfrucht um 63% im Vergleich zu Sojabohnen nach Weizen.

    Bei einer Fruchtfolge mit ständiger Bodenbedeckung durch Markt- oder Zwischenfrüchte gelang es, während eines Zeitraums von drei Jahren ohne Herbizide auszukommen. Die Zwischenfrucht wird dazu unmittelbar vor der Aussaat der Marktfrüchte mit speziellen "Messerwalzen" heruntergewalzt. Weil Handarbeit in Südamerika billig ist, können die wenigen verbliebenen Unkräuter auch mit einer Handhacke ökonomisch beseitigt werden.

    Erfahrungen mit Gründüngung: Die wichtigsten Winterzwischenfrüchte in Brasilien und Paraguay sind Schwarzhafer (Avena strigosa Schreb), Sommerroggen (Secale cereale L.), Triticale (Tritico- cereale), Ölrettich (Raphanus sativus var. oleiferus Metzg), Weiße Bitterlupinen (Lupinus albus L.), Wickenarten (Vicia sativa L., Vicia villosa Roth), Platterbse (Lathyrus sativus L.), Sonnenblumen (Helianthus annuus L.) u.a.. Als Sommerzwischenfrüchte werden angebaut: Hirsearten (Penisetum americanum L., Sorghum bicolor L, etc.), Crotalaria (Crotalaria juncea L.), Lab- lab (Dolichos lablab L.), und in den Cerrados Nordbrasiliens sogar das Unkraut Brachiaria plantaginea. Diese Pflanzen werden in wechselfeuchten Regionen unmittelbar nach der Hauptfrucht ausgesät. Falls sie dann in der Trockenzeit absterben, ist das kein Problem, solange genügend Masse produziert wurde. In Südbrasilien und Paraguay können Gründünger während des ganzen Jahres ausgesät werden, da im allgemeinen ausreichend Bodenfeuchtigkeit vorhanden ist.

    Neue Entwicklungen
    Im Direktsaatsystem gibt es nach wie vor eine große Dynamik und neue Entwicklungen bei Herbiziden, Maschinen, Düngung, Sorten, Schädlingsbekämpfung, Management, u.a., deshalb sollten die Landwirte stets bereit sein, neues zu lernen. Auch vom organischen Landbau sollten Erfahrungen übernommen werden. Es zeigt sich immer mehr, daß die Direktsaattechnologie ein System ist, das vorteilhaft für die Umwelt ist und gleichzeitig auch ökonomische Vorteile bringt.

    Direktsaat schrittweise einführen
    Um Fehlschläge zu vermeiden, wird den Landwirten empfohlen bei der Umstellung zur Direktsaat folgendermaßen vorzugehen:

    1. Informiere Dich über das gesamte System, speziell über die Unkrautbekämpfung.
    2. Analysiere Deinen Boden und führe danach die Kalkung und Gründüngung durch.
    3. Vermeide undurchlässige Böden.
    4. Ebne die Bodenoberfläche sorgfältig ein.
    5. Beseitige Bodenverdichtungen mit Tiefgrubbern oder Tieflockerern.
    6. Schaffe eine möglichst starke Mulchauflage
    7. Kaufe eine Direktsaatmaschine
    8. Beginne auf 10% der Gesamtfläche, um Erfahrungen zu sammeln.
    9. Nur bei Anwendung vielgliedriger Fruchtfolgen und der Einsaat von Zwischenfrüchten zur Gründüngung kannst Du die Vorzüge der Direktsaat voll nutzen.
    10. Sei bereit ständig dazuzulernen und neue Entwicklungen zu verfolgen.

    Ausblick

    • Wissen und Information ist in den meisten Ländern die wichtigste Voraussetzung für die Einführung der Direktsaat. Die Information muß relevant, aktuell, lokal angepaßt, wahr und nützlich sein, um von den Landwirten angenommen zu werden.

    • Die Überlegenheit des Direktsaatsystems über die konventionelle Bodenbearbeitung ist unter den verschiedensten Bedingungen weltweit nachgewiesen worden. Es ist nun notwendig, das System an die örtlichen und die sozio- ökonomischen Bedingungen der einzelnen Regionen anzupassen.

    • Die Einstellung "Es geht nicht!" ist bei der Einführung der Direktsaat wenig hilfreich. Da die Direktsaat das einzige Anbausystem ist, welches eine nachhaltige Landwirtschaft im extensiven Ackerbau in den Tropen und Subtropen ermöglicht, müssen Wege gefunden werden, um aufkommende Probleme zu lösen.

    • Man sollte bei der Direktsaat nicht besorgt sein wenn die Erträge sinken, so lange eine höhere Wirtschaftlichkeit des Anbausystems erzielt wird.

    • Die wirksame Bekämpfung der Erosion, die Verbesserung der chemischen, physikalischen und biologischen Bodeneigenschaften, geringere Maschinenkosten, die Ersparnis an Arbeits- und Traktorenstunden, die Einhaltung der agrotechnisch optimalen Termine, höhere Gewinne und weitere Vorteile werden in den meisten Regionen der Erde dafür sorgen, daß der Anteil der im permanenten Direktsaatverfahren bewirtschafteten Flächen ständig zunimmt.

     

    Zusammenfassung
    Der Beitrag wurde gekürzt und übersetzt. Den Originalbeitrag "Frontiers in Conservation Tillage and Advances in Conservation Practice", in englischer Sprache können Sie einschließlich der Quellenangaben auf der englischen Version dieser Internetseite abrufen.

    Literatur

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    Inhaltsverzeichnis


     

    Anfang


     
      WIRTSCHAFTLICHKEIT MECHANISIERTE LANDWIRTSCHAFT
    Abstract, verfügbar nur auf Englisch:
    Siehe: "Sorrenson, William J.; Portillo, Justo López; Núñez, Mario; Juli 1997":
    Economics mechanized "Paraguay Soil Conservation Project (MAG/ GTZ); Economics of No- Tillage and Crop Rotations Policy and Investment Implications; Final Report (FAO Report No: 97/075 ISP-PAR; Date: 1 October 1997); Summary and Conclusions."
     

    Anfang


     
      WIRTSCHAFTLICHKEIT FÜR KLEINLANDWIRTE
    Abstract, verfügbar nur auf Englisch:
    Siehe "Sorrenson, William J.; Duarte, Cesar; Portillo, Justo López; August 1998":
    Economics small farmers "Soil Conservation Project (MAG/ GTZ), Economics of No- Till compared to Conventional Cultivation Systems on Small Farms in Paraguay, Policy and Investment Implication; Summary, Conclusions and Recomendations."
     

    Anfang